Was ich jetzt verstanden habe ➡ Für ein leichteres Leben.

Veröffentlicht am 7. August 2025 um 08:48

Ich war 10 Tage in den Bergen und plötzlich war alles anders.  Meine Füße tragen mich in eine andere Richtung, mein Rucksack fühlt sich viel leichter an.  Die Sonne berührt mein Herz,  das Wasser meine Seele.  

 

11.06.25 - ca. 15:56 Uhr. 

Meine Gedanken flossen im Strom des rauschenden Baches und klärten das Saubere mit dem unreinen in mir. Der Wind tanzte durch mein Haar, wirbelte es auf, so ungezügelt wie der Sand, der meine Füße umspielte, unberechenbar. – wild – Und plötzlich verstand ich: So wie mein Haar nicht makellos sein muss, so muss es auch mein Leben nicht sein.    

Und da war es in mir geschehen, meine Sichtweise auf das Leben hatte sich verändert.   

Meine Füße spürten den Untergrund, auf dem ich lief. Ich bemerkte das Rauschen der Blätter in den hohen Buchen. Ich lauschte der Unterhaltung der Schwalben.   

Dann merkte ich, wie mein Fokus sich von meinem Drumherum abriss und sich auf mein Innerstes richtete.  

Frei. Klar. Ruhig.  

Es war sehr ruhig in mir. Ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit. Ein Gefühl, das sich so gut in Worten gar nicht beschreiben lässt, wie ich nun merke. Es war einfach plötzlich da. Ich war einfach plötzlich: nur da.   

Und von diesem Tag an, wählte ich in diesem Urlaub meine Ausflüge, Wanderrouten und Abendessen immer frei am nächsten Tag erst aus. Ich lebte spontan, liebevoll und besonders ruhig.  

 

Mir wird mein Leben lang schon gesagt ich sei "die Ruhige". Von einigen hörte ich "die ist mir zu ruhig". Von anderen hörte ich "angenehm", oder "Unser ruhiger Pol im hektischen Alltag".   

Doch in Wirklichkeit war dieses ruhige Wesen, welches ich nach außen hin abgab, innerlich immer viel zu unruhig, laut, verzweifelt und hilferufend gewesen. Ich war unglücklich als "die Ruhige" abgestempelt zu werden, weil es sich immer falsch anfühlte. "Ich bin doch gar nicht ruhig!", schrie es in mir. Aber was ich nicht wusste, war, dass mein Umfeld schließlich nicht in mein Innerstes hineinschauen konnte. Sie sahen nur meine Hülle. Und ja, die war, leise, blass und unscheinbar. Ich habe also ständig versucht mich anzupassen. Krampfhaft, verzweifelnd, sterbend.   

Es tat weh. 

 

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt damit umzugehen. Obwohl mir das ständige Anpassen echt keinen Spaß brachte, im Gegenteil. Es führte nur zu noch mehr Enttäuschung, sowohl bei mir selbst als auch bei den Menschen um mich herum, die irgendwann merkten, dass ich anders bin.   

Und so sahen Sie nicht nur die leise, blasse und unscheinbare Hülle, sondern auch die, die allein war.   

  

Wenn ich jetzt davon spreche, dass ich ruhiger lebe, dann meine ich nicht, dass ich mich wieder anzupassen versuche. Sondern vielmehr, dass ich verstanden habe, dass es so unfassbar schön ist ruhig zu leben. Das Leben bedarf keine vielen Worte und auch nicht viel Hektik. Kein Mehr müssen.   

Ich habe verstanden, dass das Leben um ein Vielfaches leichter sein kann, wen lautes leise wird. Wenn der Stress auf der Arbeit nachlässt, wenn der kalte Nordwind angenehm wird, wenn das warten auf den Bus eine Chance zur Entspannung wird, wenn das Toast mal wieder verbrannt ist und man begreift, dass das Toast nichts dafür kann sich darüber zu ärgern.   

Vor allem habe ich eines ganz besonders gelernt: das Alleinsein zu akzeptieren. So wie die Akzeptanz für ein Leichteres Leben kam als ich in den Bergen war, so kam auch die Akzeptanz des Alleinseins in einem Urlaub an der dänischen Nordseeküste. Dort, zwischen Wind, Wellen und Weite, wurde mir klar, wie schön es sein kann, einfach mit mir selbst zu sein. Ich habe gespürt, wie friedlich und kraftvoll diese Stille sein kann. Und genau in dem Moment, als ich mich selbst wirklich angenommen habe, sind Menschen in mein Leben getreten, die mich einfach so mögen, wie ich wirklich bin. Ehrlich, unverstellt und Lebensfroh. 

Und plötzlich war ich nicht mehr allein.  

  

Kleiner Spoiler am Ende: Unter vielen Wanderstorys wird es hier in meinem Blog immer mal wieder auch darum gehen, wie ich verstand im Leben weniger zu müssen. Wie ich lernte (oder es immer noch lerne) ein Leichteres Leben zu leben und wie ich dieses zu lieben versuche. 

 > Ganz nach dem Motto:

“Mit jedem Schritt – mehr bei mir”