Zwischen Lärm und Stille

Veröffentlicht am 20. Oktober 2025 um 10:00

Ich habe erkannt, dass ich mein Glück nicht im Kampf nach mehr finde, sondern im bewussten Erleben des Augenblicks – im Annehmen dessen, was ist, und im Vertrauen darauf, dass ich bereits genug bin. 

Doch wie geht es mit dieser Erkenntnis weiter in einer Großstadt, in der immer alles laut, hektisch und zu viel ist? 

Vielleicht beginnt es damit, mir selbst kleine Augenblicke der Ruhe zu schenken?  Momente, in denen ich mir erlaube, einfach nur da zu sein?  So, wie ich es auch in den Bergen, in der Natur oder am Meer schaffe. So sollte es doch auch zwischen Beton, Menschenmassen und Baustellenlärm möglich sein.

Dachte ich zumindest.

Doch leichter gesagt als getan.

 

Den eigenen Rhythmus im Lärm zu finden, die schnellen Schritte an mir vorbeiziehen zu lassen und irgendwo inmitten des Chaos Stille zu finden?  Das ist nahezu unmöglich für jemanden, der äußere Reize besonders intensiv wahrnimmt. 

Da stehe ich also wieder – im Kampf zwischen mir, dem Lärm und der Ruhe. 
Anstatt nach mehr zu streben, kämpfe ich für weniger. 
Doch was, wenn es gar nicht darum geht, einfach von allem weniger zu machen? 
Was, wenn es nicht darum geht, den Menschen aus dem Weg zu gehen, sich hin und wieder Pausen zu gönnen, Partys weniger krachen zu lassen, den Sport ruhiger anzugehen oder Kopfhörer aufzusetzen, nur um den Lärm auszublenden? 

 

Nein, darum geht es ganz bestimmt nicht – zumindest nicht in meinem Leben. 

 

Es geht vielmehr darum, weniger von dem zu tun, was mir schadet, und mehr von dem, was mir guttut. 
Mehr von dem, was mich innerlich nährt und mich zu einem erfüllteren Leben führt.

Die Dinge zu tun, die mir dabei helfen die beste Version von mir selbst zu werden.  

Meinem Ich. 

Bei meinen Wanderungen geht es mir schließlich auch nicht darum, eine bestimmte Kilometerzahl zu erreichen oder meine Schrittzahl zu knacken. 
Denn dann tut mir die Wanderung nicht gut. 
Was mir guttut, ist die Bewegung im Körper zu spüren, den Untergrund unter meinen Füßen, den Wind in meinen Haaren, den frischen Herbstduft in meiner Nase. 
Das kleine Eichhörnchen zu beobachten, wie es auf Nussjagd geht. 
Wahrzunehmen, was um mich herum passiert. 
Anzukommen bei meinem Ich. 

Es geht darum, mehr im Augenblick zu leben:  

Mit Freunden bei einem Pizzaabend zu versacken, wenn mir danach ist. 
Zu tanzen, wenn ich spüre, dass mein Körper danach verlangt. Journale zu schreiben, um meine Gedanken zu sortieren. Stundenlang mit einem Kaffee am Fenster zu sitzen und einfach nachzudenken oder dabei zuzusehen, wie die orangefarbenen Blätter auf dem Boden tanzen. 

Es geht darum, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Solange wir etwas nicht verändern können, bleibt uns nur, das Beste aus dem Augenblick zu machen.  

Ihn zu leben.  

Das erfordert Gefühl, Geduld und Vertrauen. Es ist ein Lernprozess, Schritt für Schritt. Es ist nicht unmöglich, wenn man es von Herzen will. 

Das ständige Gefühl, etwas leisten oder rechtfertigen zu müssen, darf ich ablegen. 
Mich treiben zu lassen und dabei zu merken, dass genau dort die schönsten Momente entstehen. Wenn ich nicht mehr kontrolliere, sondern einfach bin. 

 

Es geht darum, wieder zu fühlen, was mir guttut. 
Mich mitreißen zu lassen, wenn es sich gut anfühlt.  

Lange Gespräche zu führen, die nichts verändern müssen. 
Und in stillen Momenten zu spüren, dass alles genau richtig ist. 

So, wie es ist.